Interview mit Kristijan Aufiero zum Jahreswechsel

"Wo die Not am größten ist, da müssen wir sein"

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Entschlossen ins neue Jahr: 1000plus-Projektleiter Kristijan Aufiero
Entschlossen ins neue Jahr: 1000plus-Projektleiter Kristijan Aufiero
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1000plus

Erfolgreiche Beratung außerhalb des staatlichen Beratungssystems – wie geht das? Wie lässt sich das Beratungskonzept von Pro Femina skizzieren? Und was kann jeder einzelne von uns für Schwangere in Not tun? Antworten auf diese und weitere Fragen gab Kristijan Aufiero im Gespräch mit der katholischen Monatszeitschrift "Kirchliche Umschau". Gleichzeitig richtete er auch den Blick nach vorne.

Für die Dezemberausgabe der "Kirchlichen Umschau" (KU) führte Redakteur Jens Mersch ein Gespräch mit dem 1000plus-Projektleiter Kristijan Aufiero. Seit vielen Jahren begleitet die katholische Monatszeitschrift die Beratung und Hilfe von Pro Femina interessiert. Zeit, in einem ausführlichen Interview Bilanz zu ziehen...

 

Erfolg ohne "Beratungsschein-Schere im Kopf"

Das Wagnis, ein Beratungsprojekt außerhalb des staatlichen Beratungssystems für Frauen im Schwangerschaftskonflikt zu starten, erschien vielen Beobachtern zum 1000plus-Start sehr ambitioniert. Ob das Projekt aus diesem Grund nicht zum Scheitern verurteilt war? Kristijan Aufiero dazu:

Der Fixierung auf den Beratungsschein liegt ein fundamentaler Irrtum zugrunde. All jene, die diese 'Beratungsschein-Schere' im Kopf haben – ob aus dem Pro Life- oder aus dem Pro Choice-Lager –, können sich offenbar nicht vorstellen, dass Schwangere sich Beratung um der Beratung willen wünschen. Aber genau das ist der Fall bei den abertausenden Frauen, die sich an uns wenden.

Ein Blick in die Beratungsstatistik zeigt ferner, dass Schwangere in Not Pro Femina ganz von alleine als zusätzliches Beratungsangebot einordnen und schätzen:

In 99 Prozent der Fälle fragen diese Frauen erst gar nicht nach einem Beratungsschein. Viele haben ihre 'Schein-Beratung' längst hinter sich, wenn sie im Internet auf das Beratungsangebot von Pro Femina stoßen. Sie wenden sich an uns, weil sie weiterhin zwiegespalten sind und mit ihrer Entscheidung ringen, weil 'das Herz etwas anderes sagt als der Verstand' und weil sie bis zuletzt hoffen, dass es doch noch einen anderen Ausweg, dass es irgendwo Hilfe gibt. Wie kann man sonst erklären, dass so viele Frauen noch am Vorabend der Abtreibung ins Internet gehen, verzweifelt nach Rat suchen und E-Mails an Pro Femina schreiben?

 

Beratung mit Wertschätzung und Respekt

Von KU-Redakteur Jens Mersch gebeten, das Beratungskonzept von Pro Femina zu skizzieren, führte Kristijan Aufiero in der katholischen Monatszeitschrift aus:

Im Mittelpunkt unserer Beratung steht die einzelne Frau, die sich in ihrer Not an uns wendet. Sie verdient Wertschätzung und unbedingten Respekt! Konkret bedeutet das, dass unsere Beraterinnen jede Schwangere bedinungslos annehmen, sich in ihre konkrete Situation einfühlen und ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen – so dass ein echtes, ehrliches Vertrauensverhältnis entstehen kann.

Die Lösung des Schwangerschaftskonflikts kann der Pro Femina-Philosophie zufolge dann erreicht werden, wenn man diese Lösung gemeinsam mit der Schwangeren anstrebt:

Ein wertschätzender Blick auf ihr Leben und neu gewonnenes Selbstvertrauen können unglaubliche Kräfte freisetzen, um Schwierigkeiten zu überwinden, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und damit Wege aus der Krise zu finden. So entwickelt die Beraterin zusammen mit 'ihrer' Schwangeren einen Weg zum Leben mit Kind, ganz konkret und individuell.

Schwangere in Not suchen bis zuletzt nach HILFE statt Abtreibung: "Wie kann man sonst erklären, dass so viele Frauen noch am Vorabend der Abtreibung ins Internet gehen, verzweifelt nach Rat suchen und E-Mails an Pro Femina schreiben?"
Schwangere in Not suchen bis zuletzt nach HILFE statt Abtreibung: "Wie kann man sonst erklären, dass so viele Frauen noch am Vorabend der Abtreibung ins Internet gehen, verzweifelt nach Rat suchen und E-Mails an Pro Femina schreiben?"
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1000 Wege, um Schwangeren in Not zu helfen

In den meisten Fällen ist vor allem das offene und verstädnisvolle Ohr der Beraterin gefragt, um Frauen im Konflikt wirksam zu helfen – sind doch Beziehungsprobleme der gegenüber der Pro Femina-Beratung am häufigsten genannte Grund für einen Schwangerschaftskonflikt. Doch gibt es sie auch, die Fälle, in denen finanzielle Sorgen alles andere überlagern. Wie Pro Femina in diesen Fällen hilft, umriss Kristijan Aufiero ebenfalls in der Kirchlichen Umschau:

Die finanzielle Hilfe setzt konkret dort an, wo der Schuh drückt: Wenn das Auto mit dem vierten Kind zu klein wird, ein Familienurlaub nach vielen Jahren einmal bitter nötig ist oder während der Elternzeit das Geld kaum noch für die Miete reicht, dann gibt es von Pro Femina finanzielle Zusagen für die Schwangeren und ihre Familien.

Zusagen wie diese werden, ebenso wie das verstädnisvolle Ohr der Pro Femina-Beraterinnen, einzig und allein durch Spenden ermöglicht. Tausende Unterstützer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich zusammengeschlossen, um genau dies zu tun.

Desweiteren besteht die Möglichkeit, sich als ehrenamtlicher Helfer zu registrieren. Kristijan Aufiero zu diesem Personenkreis:

Dies sind viele hundert Menschen, die bereit sind, ehrenamtlich und vor Ort die Schwangeren und ihre Familien zu unterstützen: die zum Beispiel bei Behördengängen helfen, die Kinderbetreuung stundenweise übernehmen, im Haushalt mit anpacken oder als Gesprächspartner einfach nur ein offenes Ohr haben.

Im Gespräch mit der Kirchlichen Umschau wies Kristijan Aufiero darüber hinaus auch auf eine weitere wichtige Säule der Arbeit von 1000plus hin:

Das eigentliche Fundament all dessen, was wir bei 1000plus tun, ist das Gebet. Wir werden getragen von vielen Unterstützern, die die tägliche Arbeit unserer Beraterinnen mit ihren Gebeten begleiten und 'unsere' Schwangeren und ihre ungeborenen Kinder Gott, dem Schöpfer allen Lebens, anvertrauen. In unserem monatlichen Gebetsbrief, der auf unserer Homepage abonniert werden kann, bitten wir ganz konkret um das Gebet für Schwangere, die wir aktuell beraten und die um das Kind unter ihrem Herzen ringen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unsere Beratungsarbeit und die vielen Entscheidungen für das Leben ohne die Fürbitte von über 2.000 Betern so nicht möglich wären. Ohne diese 'unsichtbare' Hilfe würde es unsere Arbeit nicht geben: Denn an Gottes Segen ist alles gelegen.

 

Ein Blick ins neue Jahr

Schließlich wagte der 1000plus-Projektleiter der Kirchlichen Umschau gegenüber auch einen Blick nach vorne – auf die baldige Errichtung eines 1000plus-Beratungszantrums in Berlin. Angesprochen auf möglichen Gegenwind bei diesem Vorhaben, führte Kristijan Aufiero aus:

Kristijan Aufiero: "Wir erleben schon jetzt viel Unterstützung aus Berlin"

In Berlin weht schon ein anderer Wind als in München oder Heidelberg, das stimmt. Aber aus keiner anderen Stadt haben uns im vergangenen Jahr mehr Hilferufe von Schwangeren erreicht als aus Berlin. Also ist es für uns keine Frage: Wo die Not am größten ist, da müssen wir sein, um eben diesen Frauen eine Zuflucht zu bieten. Ich glaube, dass die Hilfe von Pro Femina in Berlin sehr benötigt wird. Und ich glaube, dass dort – bei allen Schwierigkeiten – auch sehr viele Menschen darauf warten, aufzubauen statt niederzureißen und zu helfen statt zu zerstören. Wir erleben schon jetzt viel Unterstützung aus Berlin und sind ziemlich zuversichtlich, dasss wir etwas zum Guten verändern können – trotz Gegenwind.

 

Zur katholischen Monatszeitschrift "Kirchliche Umschau".

 

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