Ein Nachruf

Zum Tod von Manfred Libner

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Manfred Libner 1000plus
Manfred Libner (1958-2018)
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1000plus

Manfred Libner war viele Jahre lang Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben. Sein absolutes Herzensprojekt war 1000plus. Am 12. August 2018 verstarb er nach schwerer Krankheit im Alter von 60 Jahren.

von Kristijan Aufiero, 1000plus

Jeder Mensch ist einzigartig, etwas besonderes, jedes Leben ist unwiederholbar.

Trotzdem möchte ich sagen, dass wir uns mit Manfred Libner von einem ganz außergewöhnlichen Menschen verabschieden. Dass wir jemanden zu Grabe tragen, bei dem mir etwas Trauriges zu schreiben das denkbar Unpassendste erscheint. Vor allem, wenn ich daran denke und mir vorstelle, dass er uns vom Himmel aus zusieht.

Und es gibt für mich nicht den Hauch eines Zweifels, dass er uns gerade zusieht und sich überlegt, was diese heimtückische Krankheit, was das Leiden der vergangen Monate, was sein Heimgang in die Ewigkeit nicht doch auch Gutes und Wertvolles in sich birgt.

Wenn ich ihn in den vergangenen Monaten besucht habe, verliefen unsere Begegnungen stets so, dass ich mich nach seinem Gesundheitszustand erkundigte und mich über sinnlose Nachsorgeuntersuchungen und ärztliche Fehleinschätzungen aufgeregt habe.

Manfred hat dann die Neuigkeiten zu seinem Gesundheitszustand und die anstehenden Therapien in wenigen Minuten abgehandelt. Dann schilderte er mir, wie sehr er sich über diesen einmalig zauberhaften Frühling freuen würde, welches Glück er mit den Ärzten hier hätte und welch prächtige Architektur das Würzburger Uniklinikum auszeichnen würde.

Einmal reichte die Kraft sogar für einen kurzen Spaziergang, bei dem er darauf bestand, mich durch den Park zu führen, mir die Kirche zu zeigen und mir die Plätze vorzustellen, an denen das Licht um die Uhrzeit ganz besonders schön wäre.

Die restlichen Stunden unserer gemeinsamen Zeit wollte er nur hören, wie es mit 1000plus voran geht? Wie sich die Beratungen entwickeln und welche Kampagnen wir uns vorgenommen haben? Er wünschte sich, dass ich ihm von unseren Schwangeren erzähle, von aktuellen Konfliktfällen und ihm Bilder von den jüngsten 1000plus-Babys zeige.

Mir war nicht ganz wohl dabei, ihm von Dingen zu erzählen, die ihm angesichts seiner tödlichen Krankheit nebensächlich und unbedeutend erscheinen mussten. Bis ich mich damit abgefunden habe, dass Manfred eben auch in dieser Situation sich selbst und seinem Herzensanliegen treu blieb. Dass er nach vorne blicken und vor allem anderen über das sprechen wollte, was ihm so unendlich am Herzen lag: Über die Schönheit und den Wert des Lebens, über die vielen Schwangeren in Not, die unsere Hilfe brauchen, um sich für das Leben ihrer Babys zu entscheiden und darüber, was getan werden muss, damit diese Frauen und Männer ihre Familien gründen können.

Mir ist mein Lebtag kein Mensch wie Manfred begegnet. Jemand, der in jeder Krise zu allererst die Chance erblicken konnte, zu wachsen, der in jedem Tunnel immer zuerst das Licht am Ende ins Visier nahm und sich Zeit seines Lebens jedem Trübsalblasen konsequent verweigert hat.

Da wo wir anderen uns fruchtbar ärgern und empören, weil die Welt schlecht ist, da, wo wir zu Wortgefechten schreiten und zu langen Apologien ausholen, wenn uns eine Ungerechtigkeit widerfährt oder da, wo wir im Zorn ausholen und Porzellan in die Brüche geht, da legte Manfred eine Ruhe, eine Besonnenheit und einen Versöhnungswillen an den Tag, die entwaffnend waren und zuweilen fassungslos machen konnten.

Wenn er sich mal wirklich aufregte über eine unschöne Begegnung oder einen Menschen, der ihm auf den Keks ging, lautete Manfreds schärfster Kommentar: „Da war ich aber ganz schön gerührt“.

Dann gibt es noch so ein Zitat, das mich für den Rest meiner Tage begleiten und an ihn erinnern wird. Ein Wort, das ich überhaupt nur von Manfred kannte und das er immer dann benutzte, wenn es um die unangenehmen Aufgaben ging, wenn das Leben besonders anstrengend wurde oder wenn ihn einfach mal eine Erkältung fest im Griff hatte. Manfred meinte dann nur: „Ist jetzt gerade nicht vergnügungssteuerpflichtig“.

Ich habe in meinem Leben keinen positiveren, fröhlicheren und zufriedeneren Menschen als Manfred Libner kennen gelernt. Nie habe ich ihn über Gott und die Welt klagen gehört! Nie ein schlechtes Wort über einen anderen Menschen aus seinem Mund vernommen! Nie jemandem eine schlechte Absicht unterstellen hören! Nie eine schwierige Situation mit ihm erlebt, der er nicht doch noch etwas Gutes abgewinnen konnte!

Etwas Trauriges zum Abschied eines solchen Mannes zu schreiben gehört sich nicht!

Er würde wollen, dass wir nach vorne sehen, uns der Zukunft stellen und nach dem verborgenen Sinn suchen, der allen Aufgaben und Herausforderungen inne wohnt, vor die uns das Leben stellt.

Er würde sich wünschen, dass wir uns jeden Tag fragen, wie wir unsere Welt zu einem besseren und schöneren Ort machen können und wie wir die Menschen um uns herum mit einem Stück mehr Liebe und Wertschätzung beschenken könnten?

Die Welt verliert einen ganz besonders feinen Menschen.

Die europäische Pro-Life-Bewegung eine der prägendsten Persönlichkeiten dieser Zeit.

Und diejenigen, die ihn gut und persönlich kannten, verlieren einen treuen Gefährten durch Dick und Dünn, einen klugen Ratgeber, der stets einen Weg wusste und einen wahren Freund, der nicht von der Seite wich, ganz gleich woher und wie heftig der Wind ins Gesicht blies.

Lieber Manfred, Du warst ein Mensch, von dem wir uns – wie man so sagt – eine Scheibe abschneiden können, ein Mensch, vor dem ich mich heute verneigen möchte. Es ist und bleibt ein Privileg, Dein Freund gewesen zu sein.

 

Eine Erinnerung an den Verstorbenen: Manfred Libner erzählt am Rande des 1000plus-Kongresses 2017, was ihn motiviert, ein Teil von 1000plus zu sein.

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