Dietrich Bonhoeffer über christliche Verantwortung – Lebenslinien (2)

Die Schwangere in Not – mein Nächster

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Dietrich Bonhoeffers Zeugnis berührt noch heute.
Dietrich Bonhoeffers Zeugnis berührt noch heute.
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von Wissen911 [CC BY-SA 3.0  (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons. Montage: 1000plus

Der große Glaubenszeuge Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) hatte genaue Vorstellungen vom Leben eines Christen in der Welt: verantwortungsbewusst, tätig, auf den Nächsten hingeordnet. Selbstbeweihräucherung oder Nabelschau waren ihm fremd – eine Haltung, die er auch konsequent bis zu seinem Tod im Konzentrationslager Flossenbürg in seinem eigenen Leben umgesetzt hat. Inwiefern passt diese "kernige" Theologie zu einer Schwangerenberatung, die sich am christlichen Menschenbild orientiert?

Müsste man nicht mal was gegen Hunger in der Welt machen? Diese Frage würde wohl kaum jemand mit Nein beantworten. Wenn es dann aber konkret darum geht, sich dem Problem anzunehmen – dann wird es schon sehr herausfordernd. Dietrich Bonhoeffer wusste um die Schwierigkeit, vom abstrakten "Man müsste" zum konkreten "Ich mache" zu kommen: 

Es ist sehr viel leichter, eine Sache prinzipiell als in konkreter Verantwortung durchzuhalten.*

Auch die Not, die hinter 100.000 Abtreibungen im Jahr steht, ist real. 1000plus möchte dieser Not nicht durch prinzipielle Meinungsbekundungen, sondern durch konkrete Hinwendung an so viele Schwangere in Not wie möglich begegnen.

Wie könnte man eine solche Arbeit aber einordnen hinsichtlich des alten christlichen Dualismus des "Ora et labora", des kontemplativen und tätigen Daseins? Dietrich Bonhoeffer ist hier klar: Andacht und innere Einkehr waren für den Autor des "Von guten Mächten wunderbar geborgen" selbstverständlich. Religiosität war für ihn aber kein speziell christliches Merkmal. Für Bonhoeffer ist erst ein Zusammenbringen der beiden Sphären "Gott und Welt" das typisch Christliche:

Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben.

Wer sich als Christ fragt, wie er Jesus begegnen kann, erhält in der Bibel (Mt 25, 31ff) die eindeutige Antwort: Im Hungernden, im Dürstenden, im Unbekleideten, kurz im notleidenden Menschen. Ihm ist kein Leiden fremd. Auch nicht das Leiden hunderttausender Frauen, die jedes Jahr vor der Frage stehen, ob sie ihr Kind abtreiben lassen. Die 1000plus-Beraterinnen wollen sich bewusst diesen Frauen zuwenden und Verantwortung für die Frauen übernehmen, die um Hilfe bitten.

Sich nicht abschotten, sondern Ja sagen zur Begegnung mit meinem Nächsten – dieser Gedanke taucht auch bei Bonhoeffer auf:

Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit anderen Menschen, und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt.

Eine wichtige Voraussetzung für ein gelingendes Leben ist es nach Meinung erfahrener Seelsorger, dass man (auch als Christ) "seinen Platz" im Leben gefunden hat. Seinen Platz, das heißt eine Lebenssituation, in der ich die Beziehung zu Gott und den Nächsten gemäß meiner Fähigkeiten, meiner Kraft und meiner Zeit leben kann.

Wichtig scheint dabei, stets dem Konkreten den Vorzug vor dem Abstrakten zu geben, mich also zu fragen, was ich persönlich bewirken kann – nicht darüber nachzudenken, was etwa "die Politik" eigentlich tun müsste.

Dietrich Bonhoeffer war es ausgesprochen wichtig, dass ein Christ sich im "Hier" einbringe – vor allem aber im "Heute":

Es gibt in der ganzen Weltgeschichte immer nur eine wirklich bedeutsame Stunde – die Gegenwart. Wer aus der Gegenwart flieht, flieht den Stunden Gottes.

1000plus ist für jeden dankbar, der im Hier und Heute das bestmögliche für Schwangere in Not bewirken möchte. Dabei eine Hilfe sein kann die bedachte Devise eines weiteren großen Theologen, nämlich Thomas von Aquin: Quantum potes tantum aude – Was du kannst, das sollst du wagen!

*Alle Zitate nach https://www.dietrich-bonhoeffer.net/

Dieser Text ist Teil unserer Reihe Lebenslinien. Was können wir vom Leben bekannter Christen lernen? Und was hat das alles mit Frauen zu tun, die sich in den schwersten Situationen für ihr Kind entschieden haben? Antworten auf diese Fragen gibt es in den 1000plus-Lebenslinien. Hier werden in unregelmäßigem Abstand große Heilige und Glaubenszeugen vorgestellt. 

 

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