Politische Sympathisanten linker Gewalt?

Offener Brief an die Berliner SPD

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Kristijan Aufiero: "Die Argumentation der Antragsteller ist sachlich falsch und unbewiesen, die darin formulierten Forderungen juristisch unhaltbar."
Kristijan Aufiero: "Die Argumentation der Antragsteller ist sachlich falsch und unbewiesen, die darin formulierten Forderungen juristisch unhaltbar."
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Mit mir halten 14.196 Menschen, die in den vergangenen sieben Tagen unsere Petition „Wahlfreiheit DANK Pro Femina“ unterzeichnet haben, ein Verbot unserer Beratung in der Stadt Berlin für einen eklatanten Verstoß gegen die freie Beratungswahl von Schwangeren in Not – denn Wahlfreiheit im Schwangerschaftskonflikt beinhaltet auch die freie Wahl von Beratung und Unterstützung! Und gemeinsam bitten wir Sie und fordern wir Sie hiermit auf, die beiden Anträge 170/II/2019 und 186/II/2019 am kommenden Landesparteitag abzulehnen.

Sehr geehrte Delegierte des Landesparteitags der SPD Berlin!

„Ich bin 19 Jahre alt und gerade noch in der Ausbildung im ersten Lehrjahr. Vor knapp 2 Wochen habe ich erfahren, dass ich schwanger bin. Aktuell bin ich genau 7+0 also ab heute in der 8. Woche. Ich habe es auch sehr schnell meinem Betrieb gesagt und habe direkt die Rückmeldung bekommen, dass meine Ausbildung somit zu Ende wäre. Das war natürlich ein Schock, denn ich dachte ich könnte wenigstens noch meine Ausbildung vernünftig beenden (es ist nämlich meine 2. Ausbildung, meine 1. habe ich abgebrochen). Nun bin ich sehr durcheinander und weiss nicht so recht was genau ich tun soll. Denn ohne meine Ausbildung sieht es finanziell sehr mager aus. Ich denke mir ist bewusst, dass es irgendwie machbar wäre, jedoch habe ich keine Lust nochmals eine Ausbildung neu anzufangen und vor allem nochmals vom Sozialamt abhängig zu sein. Mein Freund und meine Mutter unterstützen mich, egal welche Entscheidung ich treffen werde. Der Rest der Familie allerdings sind alle für eine Abtreibung und würden diese Entscheidung als vernünftig sehen. Ich bin wie gesagt hin und her gerissen. Ich habe bereits auch schon einen Termin zur Abtreibung, ich habe sehr Angst davor und fühle mich schlecht, doch im inneren weiss ich dass ich dem Kind nichts bieten kann. Nicht mal eine vollständige Familie. Ich hoffe ihr könnt mir helfen bevor es für irgendwas zu spät ist.“ Luisa*, 19 Jahre.

„Ich bin bereits Alleinerziehende Mutter von meinem 7 Jahre alten Sohn, den ich von Anfang an alleine groß gezogen habe. Seit 3 Monaten bin ich in einer Beziehung und bin schwanger nur läuft die Beziehung momentan extrem schlecht und ich wollte mich eigentlich schon trennen. Nun bin ich schwanger und weiß jetzt nicht mehr weiter. Das Kind behalten wäre für mich extrem schwer. Nur ein Leben töten, fällt mir auch schwer. Ich weiß nicht mehr weiter.“ Melek, 27 Jahre.

„Ich war bei einer staatlichen Beratungsstelle. Die Frau sagte, sie ist verpflichtet, mich positiv zu beraten, aber sie sah leider kein ,Licht am Ende des Tunnels’ für mich. Ich würde 300 Euro Elterngeld bekommen und das Kindergeld fürs 3. Kind. Sie meinte: ,Jeder weiß, dass das nicht zum Leben reicht’ und dann hat sie mir den Schein gegeben. Genauso einfach habe ich beim Arzt die Überweisung fürs Krankenhaus bekommen. Ich weiß nicht, was ich machen soll. (…) Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe.“ Pauline, 37 Jahre.

Weil es in diesem offenen Brief nicht um Ideologie oder um Politik, sondern um Frauen im Schwangerschaftskonflikt gehen soll, habe ich diese drei Auszüge aus originalen Beratungsanfragen an Pro Femina an den Anfang gestellt. Es sind drei recht typische Beispiele für Anfragen, wie sie uns Jahr für Jahr zu Tausenden erreichen – in 95 Prozent der Fälle via E-Mail und zu etwa 5 Prozent per Telefon.

Ihrem Parteitag liegen zwei Anträge1 2 vor, laut denen es uns verboten werden soll, Frauen wie Luisa, Melek und Pauline in Berlin zu beraten und zu helfen.

Die Argumentation der Antragsteller ist sachlich falsch und unbewiesen, die darin formulierten Forderungen juristisch unhaltbar. Die Falschbehauptungen über Pro Femina, die in beiden Anträgen aufgegriffen werden, basieren offensichtlich auf irreführenden und manipulativen Medienberichten. Eine ausführliche Widerlegung aller wesentlichen kursierenden Falschmeldungen über unsere Beratungstätigkeit finden Sie HIER.

 

Wirkliche Entscheidungsfreiheit gefährdet

Mit ihren Forderungen, dem Titel der Anträge und mehreren Formulierungen solidarisieren sich die Antragsteller und somit Teile der Berliner SPD mit gewalttätigen Linksextremisten, die unter anderem auch für einen Anschlag auf unser Beratungszentrum in Berlin verantwortlich sind. 3 4 5 

Pro Femina Berlin

In der Nacht auf den 7. Oktober 2019 verübten linksextreme Gewalttäter einen Anschlag auf das Berliner Beratungsbüro von Pro Femina. Folgt auf dem SPD-Parteitag am 26. Oktober ein weiterer, politischer Anschlag auf die freie Beratungswahl von Schwangeren in Not? Foto: 1000plus

Mit zu inhaltsleeren Parolen verkommenen Forderungen und politischen Floskeln im Mund sind solche Gewaltakte und Parteianträge, die diese legitimieren sollen, in Wahrheit die größte aller Bedrohungen für die wirkliche Entscheidungsfreiheit und für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen im Schwangerschaftskonflikt.

Die Erfahrung aus über 50.000 Beratungsfällen in den vergangenen 10 Jahren belegt in eindrücklicher Weise, dass über 90 Prozent aller von uns beratenen Frauen eine Abtreibung erwägen, weil sie massivem äußeren Druck ausgesetzt sind. Sie werden von ihren Partnern zur Abtreibung genötigt, fühlen sich durch bereits vorhandene Belastungen stark überfordert oder benennen andere äußere (in der Regel instabile) Umstände als Ursachen für ihren Schwangerschaftskonflikt.

Es sind objektive Informationen, intensive Beratung und konkrete – mit der Frau erarbeitete – Hilfsangebote, die eine freie und selbstbestimmte Entscheidung im Schwangerschaftskonflikt überhaupt erst ermöglichen. Genau das ist es, was Pro Femina Tag für Tag tut. Und in der Tat: Rund zwei Drittel aller von Pro Femina beratenen Frauen im Schwangerschaftskonflikt entscheiden sich – entgegen ihrer ursprünglichen Abtreibungsabsicht – für ein Leben mit ihrem Kind. Auf diese Weise durften in den vergangenen Jahren abertausende Kinder zur Welt kommen.

Das ist, was ich vor allem anderen zu Bedenken geben möchte, bevor Sie am morgigen Samstag zu einer Abstimmung darüber schreiten, ob Pro Femina in Berlin verboten werden soll.

Mit mir halten 14.196 Menschen, die in den vergangenen sieben Tagen unsere Petition „Wahlfreiheit DANK Pro Femina“ unterzeichnet haben, ein Verbot unserer Beratung in der Stadt Berlin für einen eklatanten Verstoß gegen die freie Beratungswahl von Schwangeren in Not – denn Wahlfreiheit im Schwangerschaftskonflikt beinhaltet auch die freie Wahl von Beratung und Unterstützung! Und gemeinsam bitten wir Sie und fordern wir Sie hiermit auf, die beiden Anträge 170/II/2019 und 186/II/2019 am kommenden Landesparteitag abzulehnen.

Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle in aller Deutlichkeit versichern, dass Pro Femina e.V. sich gegen einen derart offensichtlich unrechtmäßigen und willkürlichen Verwaltungsakt mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen und diesen notfalls durch sämtliche Instanzen anfechten würde.

Wir leben in Zeiten, in denen es mit Plattformen wie „Indymedia“ einen faktisch rechtsfreien Raum gibt. Ohne irgendwelche Konsequenzen befürchten zu müssen, werden Andersdenkende verleumdet und beschimpft, wird dort mit Gewalttaten geprahlt und zu noch mehr Gewalt aufgerufen.

Indymedia Pro Femina

Teile der SPD haben die Sprache extremistischer Gewalttäter übernommen. Offensichtlich handelt es sich um politische Sympathisanten linker Gewalt. Foto: Screenshot von "Indymedia"

Angesichts der offenkundigen Sympathie in Teilen Ihrer Partei für linksextremistische Agitation bitte ich um Ihr Verständnis dafür, dass ich Hemmungen davor habe, Ihnen die Namensliste der Menschen zu überlassen, die unsere Petition unterzeichnet haben.

Allerdings kann ich jederzeit an Eides statt versichern, dass unsere Petition bis heute Mittag 12 Uhr von ingesamt 14.196 Personen unterzeichnet worden ist. Auch würde ich Ihnen im Rahmen eines persönlichen Gesprächs Einblick in die Liste der Unterzeichner gewähren.

 

Warum Frauen Pro Femina brauchen

Zu guter Letzt möchte ich Sie nochmals bitten, den Frauen in unserem Land zuliebe, die genannten Anträge abzulehnen. Um deutlich zu machen, wie bitter nötig eine alternative, uneingeschränkt lebensbejahende Schwangerenberatung in Deutschland ist, möchte ich zum Abschluss drei Frauen zu Wort kommen lassen:

„Wir waren bei pro familia obwohl meine Entscheidung sowieso feststand weil er unbedingt wollte. Die Frau hat ihn total verstanden und meinte er wäre ja in so einer beschissenen Situation im Studium und das könne sie ja total verstehen und ein Kind bräuchte ja andere Bedingungen. Hallo? Ich bin unbefristet, ausgelernt, wir haben eine große Wohnung.... Bin total enttäuscht von dort die Frau hat mich nicht verstanden dass ich es nicht abtreiben kann und ich musste mich für alles rechtfertigen. War deprimierend.“

„Ich war bereits bei einer Beratung. Die Dame war ziemlich forsch. Sie sagte ‚Sie freuen sich nicht auf das Kind und Ihre Situation ist aussichtslos. Sie sollten in Erwägung ziehen einen Abbruch durchführen zu lassen.’ Danach war ich noch mehr mit mir im Konflikt als davor. Es ist einfach grauenvoll für mich momentan.“

Erfahrungen staatliche Beratungsstellen Pro Femina

Gesammelte Erfahrungsberichte dieser Art können hier online nachgelesen werden. Screenshot: 1000plus

„Pro Familia kann ich dir aus eigener Erfahrung (und der meiner Freundinnen) nur dann empfehlen, wenn du das Kind nicht behalten möchtest. Von ‚ergebnisoffener‘ Beratung kann dort leider nicht die Rede sein. Ich war ungeplant schwanger von einem kurzen Intermezzo mit einem Bekannten. Ich wollte das Kind ohne jeden Zweifel behalten, der werdende Vater sprang jedoch im Dreieck und kappte jede Verbindung, ich hatte (habe) jedoch einen guten Job und Unterstützung von Freunden und Familie. Bei Pro Familia wollte ich mich eigentlich einfach nur beraten lassen was da so als Alleinerziehende auf mich zu kommt und worum ich mich rechtlich kümmern muss. Es war dezidiert KEIN Abbruchgespräch ausgemacht. Doch die Dame hat mir - einer in der 11. Woche glücklich Schwangeren!!! - dringend noch schnell einen Abbruch ans Herz gelegt (‚Überlegen Sie doch mal, so ganz allein ein Kind groß ziehen, der Vater will es doch nicht, wie stehen Sie denn dann da, denken Sie doch mal an all die Dinge, die Sie mit Kind nicht mehr machen können, hier ist eine Liste mit Kliniken und dies ist ihr Zettel..‘) Kein Witz. Und ich bin da nicht die einzige mit der Erfahrung.“

Ich kann nur hoffen, dass Sie zumindest diese Frauen nicht für Lügnerinnen halten werden. Die vollständigen Erfahrungsberichte dieser drei betroffenen Frauen finden Sie übrigens HIER, HIER und HIER.

Mit freundlichen Grüßen nach Berlin

Kristijan Aufiero

*Alle persönlichen Angaben in diesem Brief wurden zum Schutz der Betroffenen anonymisiert.

 

PS: Unter den gegebenen Umständen haben wir entschieden, diese Petition so lange voranzutreiben und weitere Unterstützung zu mobilisieren, bis das Gespenst eines Berliner Verbots endgültig vom Tisch ist!

 

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