Resümee eines Diskussionsabends in Passau

Schwangeren in Not helfen – oder an ihnen vorbeireden...

  • Stern
  • Stern
  • Stern
  • Stern
  • Stern
(0)
Kristijan Aufiero (rechts) und Professor Asholt während der Podiumsdiskussion
Kristijan Aufiero (rechts) und Professor Asholt während der Podiumsdiskussion
 | Foto:

1000plus

Unter Polizeischutz hat Kristijan Aufiero am 12. Juni an einer Podiumsdiskussion teilgenommen, die im Hörsaal 7 der Universität Passau stattfand. Dort wurde über rechtliche Rahmenbedingungen der Abtreibung diskutiert – die Sicht der betroffenen Frauen wurde dabei leider weitgehend ausgeblendet.

Dichtgedrängt saßen und standen am Abend des 12. Juni schätzungsweise 200 junge Studenten im total überfüllten Hörsaal Nr. 7 der Universität Passau. Nicht schlecht gestaunt haben Kristijan Aufiero und eine handvoll Mitarbeiter von 1000plus, als sie dort ankamen. Polizisten gingen durchs Uni-Gebäude, der Veranstalter erzählte, er hätte den Termin am liebsten abgesagt. Grund: Im Vorfeld hatte eine "antisexistische" Gruppierung gegen Kristijan Aufiero mobil gemacht, weshalb Tumulte zu erwarten waren. 

Bedauerlicherweise ging die Veranstaltung dann auch tatsächlich nicht ohne ideologische Zwischentöne ab. Schon vor Beginn der Diskussion war von Vertretern der "LUKS Passau", einer nach eigenem Bekunden "kritischen" Studenteninitiative, ein Flugblatt mit dem grammatisch etwas holprigen Titel "Christlicher-fundamentalistischer (sic!) Abtreibungsgegner an der Uni Passau" verteilt worden. Relativ unkritisch waren darauf altbekannte Diffamierungen und ideologische Phrasen abgedruckt. Das Flugblatt endete mit einer diskriminierenden Aufforderung:

Wir finden es erschreckend, dass die Uni Passau derartigen Inhalten eine Bühne bietet! Daher fordern wir alle auf, zahlreich zur Podiumsdiskussion zu erscheinen und den Veranstaltern wie auch den Diskutierenden zu zeigen, dass Hetze von selbsternannten "Lebensschützer*innen" keinen Platz an der Universität Passau hat!

Einige Vertreter dieser "kritischen" Initiative konnten sich es dann auch nicht versagen, Kristijan Aufiero immer wieder mit Zwischenrufen zu unterbrechen oder störende Transparente hochzuhalten. Was eine solche Aufforderung und ein solches Tun über die Toleranz und Dialogfähigleit der Unterzeichnenden aussagt, sei dahingestellt. Auch blieb die Frage offen, ob jene Initiatoren mit offensichtlich gestörtem Verhältnis zur Meinungsfreiheit eigentlich schon selbst einmal konkret etwas für Schwangere in Not getan haben. Die Frage steht durchaus im Raum, ob das Engagement dieser Personen den Betroffenen gilt – oder der offensichtlichen Lust an der ideologischen Selbstinszenierung.

Dennoch (oder gerade deshalb) zeigte sich Kristijan Aufiero bei Wortmeldungen der "antisexistischen" Gäste unerschrocken. Als in einer solchen Wortmeldung die Internetseite von 1000plus "kritisch" zitiert wurde, lud Kristijan Aufiero alle Anwesenden ein, selbst einmal 1000plus.net, ProFemina.org und einschlägige Foren für Frauen im Schwangerschaftskonflikt zu besuchen und sich ein eigenes Bild zu machen. In einer weiteren Wortmeldung wurde die jetzige gesetzliche Lage kritisiert, da sie Frauen nicht gerecht werde. Der jungen Frau, die dies moniert hatte, riet Kristijan Aufiero, eine Organisation nach ihren eigenen Vorstellungen zur Unterstützung von Schwangeren in Not zu gründen. In Zeiten des Internets gehen Frauen ohnehin ganz von alleine und selbstbestimmt dorthin, wo sie die beste Information, Beratung und Hilfe finden. Vor einer solchen "Abstimmung mit den Füßen" muss sich keine Beratungsorganisation fürchten, die es mit diesen Frauen wirklich ernst meint.

Nach der Veranstaltung zog Kristijan Aufiero ein Fazit über die Zwischentöne aus der "kritischen" Ecke:

„Veranstaltungen wie die in Passau sind gut, weil dabei deutlich wird, worum es den selbsternannten Feministen wirklich geht: In abstrakten Diskussionen über Selbstbestimmungsrecht, Neutralität und Entscheidungsfreiheit ignorieren sie die realen Nöte von Frauen im Schwangerschaftskonflikt. Kein einziger trägt eine Antwort auf die Frage vor, was betroffene Frauen brauchen oder sich wünschen. Wir bei 1000plus werden weiterhin alles dafür tun, damit die derzeit über 1.500 Frauen, die sich Monat für Monat an uns wenden, bestmögliche Beratung und konkrete Hilfe erhalten.“ 

An der von Professor Martin Asholt moderierten und von der juristischen Studentenvereinigung ELSA veranstalteten Diskussion nahmen außer Kristijan Aufiero noch ein Professor für Jura, ein Professor für Theologische Ethik sowie zwei Vertreterinnen des Vereins "Donum Vitae" teil. 

Kristijan Aufiero gelang es im Verlauf der Diskussion immer wieder, den oftmals sehr abstrakten Argumentationen entgegenzuhalten, wie die Realität hunderttausender Frauen aussieht, die jedes Jahr vor der Frage stehen, ob sie ihr Baby bekommen oder abtreiben sollen. So zeigte der Projektleiter von 1000plus auf, dass es in erster Linie Partnerschaftsprobleme sind, wegen denen Frauen in einen Schwangerschaftskonflikt geraten. Wie viel Abtreibung noch mit Selbstbestimmung zu tun hat, wenn eine signifikant hohe Anzahl an Schwangeren von ihrem Partner zu einem Abbruch der Schwangerschaft gedrängt wird – darüber kann sich schließlich jeder selbst ein Bild machen. Als der Moderator ein sophistisches Gedankenexperiment zur moralischen Rechtfertigung von Abtreibungen zustimmend zitierte, wies Kristijan Aufiero darauf hin, was der Unterschied zwischen derlei Gedankenspielen und der Arbeit von 1000plus ist: Ersteres kommt in der Realität nicht vor, während 1000plus ganz realen Frauen wirklich und tausendfach hilft.

Einer Frau, die mit dem dritten Kind schwanger ist und deren Mann ihr droht, sie zu verlassen, wenn sie nicht abtreibt, ist mit ideologischen Sprüchen oder theoretischen Diskussionen nicht geholfen. Abstrakte Gedankenspiele haben mit ihrer Situation nicht das Geringste zu tun.

Als Fazit der Veranstaltung kann deshalb gelten: Manche diskutieren über Abtreibung – andere helfen Schwangeren in Not!

1000plus-News möchte auf die Not ungewollt schwangerer Frauen aufmerksam machen. Unterstützen Sie die Arbeit der 1000plus-Beraterinnen mit Ihrer Spende.

Das könnte Sie auch interessieren