Das Thema Resilienz in unserer Beratung

So werden Sie zum Stehaufmännchen

  • Stern
  • Stern
  • Stern
  • Stern
  • Stern
(1)
Die 1000plus-Beratung zeigt, wie man mit Krisen umgehen kann
Die 1000plus-Beratung zeigt, wie man mit Krisen umgehen kann
 | Foto:

Montage/1000plus

Warum steckt der eine Krisen einfach weg – und der eine wird von ihnen in ein Loch gezogen. Das Zauberwort heißt Resilienz. Wir zeigen, was es bedeutet. 

(1000plus-News) Wer kann Krisen am besten wegstecken? Wer hat die Qualitäten eines richtigen Stehaufmännchens? Der psychotherapeutische Fachmann würde sagen: Menschen mit einer guten seelischen Resilienz – Resilienz?! Selbst, wenn wir dem Fachbegriff noch nicht begegnet sind, kennen wir die Lebensweisheit, die dahintersteht. Resilienz klingt zum Beispiel in diesen Sprüchen mit an:

"Es geht im Leben nicht darum, gute Karten zu haben, sondern mit einem schlechten Blatt ein gutes Spiel zu machen" – Robert Louis Stevenson, schottischer Schriftsteller, 1850 – 1894.

"Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, weiterlaufen!" – Beliebter Spruch auf Facebook

"Was mich nicht umbringt, macht mich stärker." – Friedrich Wilhelm Nietzsche, deutscher Philosoph, 1844 – 1900.

Menschen, an denen Widrigkeiten scheinbar abperlen, die gestärkt aus Krisen hervorgehen, die zwar straucheln und hinfallen, aber nicht liegen bleiben, haben bestimmte seelische Ressourcen, die die Psychotherapie unter dem Begriff Resilienz zusammenfasst. Er geht aus dem lateinischen Verb ‚resilire’ hervor und bedeutet ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘. Auch die im Englischen (resilience) vor allem technisch gebrauchte Bedeutung ‚Elastizität’ beschreibt das, was die Psychologen meinen: die psychische Widerstandsfähigkeit.

Bei der Entwicklung von Resilienz geht es also nicht so sehr darum, Nerven wie Drahtseile zu entwickeln, sondern eher darum, (wieder) zu seiner positiven seelischen Grundstimmung zu finden. Aber wie gelingt es, dass man sich von einem Schlag in die seelische Magengrube wieder erholt und zu seiner ursprünglichen guten Verfassung zurückfindet? Psychotherapeuten aus unterschiedlichen Disziplinen ­– in der Psychotherapie spricht man von Schulen – haben sich auf sieben wesentliche Schlüssel für die Entwicklung innerer Stärke geeinigt.

Helfen Sie Schwangeren in Not – mit Ihrer Spende

Eline arbeitet als Beraterin bei Pro Femina – und erklärt, wie Menschen Widerstandsfähigkeit entwickeln

Grundlegend für die Resilienzforschung ist die mehrere Jahrzehnte dauernde Langzeitstudie von Emmy Werner. Die amerikanische Entwicklungspsychologin und ihr Team erforschten ab 1955 auf der Hawaiianischen Insel Kauai die psychische Entwicklung von 700 Kindern. Von Interesse waren Kinder mit widrigen Startbedingungen, die sich aber im Laufe ihres Lebens erstaunlich gut entwickelten. Ein Drittel solcher Hochrisiko-Kinder mit Vernachlässigungserfahrung, mit psychisch kranken Eltern oder ärmlichen und schwierigen Familienverhältnissen entwickelten sich dennoch zu beziehungsfähigen und sozial erfolgreichen Erwachsenen. Sie waren optimistisch gestimmt und verhielten sich verantwortungsbewusst und empathisch. Werners zentrale Frage lautete also, was bei ihnen besser gelaufen war, als bei den anderen Kindern?

Emmy Werner formulierte in ihrer Kauai-Studie bereits folgende Resilienzfaktoren als Voraussetzung für eine günstige Entwicklung in der Kindheit:

Alle Kinder hatten eine konstante, primäre Bezugsperson als emotionalen Anker im sonst oft düsteren Alltag: Der verlässliche Halt bei dieser liebevollen Person, günstigstenfalls ein Familienmitglied, sorgte bis in das Erwachsenenalter für eine feste seelische Verwurzelung, ein stabiles Werteempfinden und ein belastbares Geborgenheitsgefühl.

Viele der Risiko-Kinder hatten früh Verantwortung übernommen, zum Beispiel für ein jüngeres Geschwisterkind: Diese emotional-wichtige Aufgabe führte dazu, dass die im Grunde unreifen Persönlichkeiten über sich hinauswuchsen. Ihre Liebe zum Geschwisterchen war der Motor, immer wieder sich selbst zurückzunehmen und auf der Ebene eines mitfühlenden Erwachsenen zu handeln. Das prägt ein Leben lang und macht offensichtlich glücklich.

Ein Umfeld, das fordert und fördert

Eine häufige Gemeinsamkeit war das Erleben von Erfolg und Anerkennung durch eigene Anstrengung und Leistungsbereitschaft. Voraussetzung dafür war ein Umfeld, sei es in der Verwandtschaft, in der Nachbarschaft oder in der Schule, das die Kinder gezielt gefordert und gefördert hat. Selbstständigkeit und Selbstvertrauen sind keine Selbstläufer. Kinder müssen zur Initiative ermutigt und in ihren Versuchen bestätigt werden.

Die Ergebnisse der Resilienzforschung lassen sich auch in der Beratung von Schwangeren anwenden, die tief in einer Krise stecken. Die Beraterinnen gehen davon aus, dass jede Schwangere in einem ausreichenden Maß zur Resilienz fähig ist, und wieder Hoffnung schöpfen kann. Sie sind überzeugt, dass es nie zu spät ist, ein Stehaufmännchen zu werden.

1000plus-News möchte auf die Not ungewollt schwangerer Frauen aufmerksam machen. Unterstützen Sie die Arbeit der 1000plus-Beraterinnen mit Ihrer Spende.

Kommentare

Möchten Sie einen Kommentar abgeben? Anmelden

Das könnte Sie auch interessieren