Anjas Entscheidung

Soll sie abtreiben aus Liebe zu ihm?

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Viele Frauen fühlen sich im Schwangerschaftskonflikt unter Druck gesetzt
Viele Frauen fühlen sich im Schwangerschaftskonflikt unter Druck gesetzt
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Anja* ist ungewollt schwanger. Eigentlich glaubt sie, sich für das Kind entscheiden zu können. Doch ihr Freund setzt sie unter Druck. 

(1000plus-News) Anja* liest die Gebrauchsanleitung noch einmal. Wie ein Schwangerschaftstest funktioniert, weiß sie inzwischen auswendig. Sie hatte sich immer Kinder gewünscht. Warum jetzt die Panik? Ohne die ständige Streiterei mit Lukas wäre sie viel gelassener. Oder wenn die Bachelor-Prüfung schon geschrieben wäre; wenn ihre Eltern einspringen könnten und nicht gerade in ihrem neuen Geschäft durchstarten würden. So viele Wenns! 

Trotzdem ist da ein zaghaftes Lächeln, das man im Spiegel kaum sehen kann. Was ein positiver Test alles verändern würde: eine eigene Familie, ein kleines Baby und Anja als Mama. Vorsichtig macht sie sich an den Test. Sie zählt so viele Sekunden herunter, wie es der Beipackzettel verlangt. Weil sie Weggucken kindisch findet, starrt sie umso intensiver auf das Oval mit dem Strich. Links daneben ist viel Platz für den zweiten Strich. Was ist, wenn doch? 

Überall hat sie auf einmal Kinderwägen und Schwangere gesehen und Babys in diesen Tragetüchern, die jetzt so modern sind. Das war ihr noch vor einer Woche überhaupt nicht aufgefallen. Mit jedem Tag, der verstrich, wurde sie unruhiger. Die Streiterei mit Lukas war dann einfach zu viel. Ständig wollte er sein Ding machen, brauchte Freiraum, zog sich zurück, tauchte irgendwann wieder auf. Und Anja sollte sich anpassen und nach seinen Vorstellungen planen oder sich einfach „überraschen“ lassen.

Das Ende vom Lied war, dass Lukas ausgerastet ist und Sachen durch die Wohnung geworfen hat. Ziemlich verweint und mit verschmierter Wimperntusche ist Anja zu einer Freundin gefahren. Die war so lieb und hat sie erst einmal in den Arm genommen. Dann haben sie sich zwei Staffeln ihrer Lieblings-Mädels-Serie am Stück angesehen. Ihr Bier hat Anja stehen lassen. Da hat die Freundin schon sehr fragend geguckt und Anja war kurz davor gewesen, alles zu erzählen. Aber erst wollte sie den Test machen. Vielleicht war es doch nur der viele Stress!

Anjas Augen brennen. Sie muss schon lange blinzeln, aber sie kann den Blick kaum lösen von der kleinen Anzeige. Neben dem dunklen Strich flimmert eine Linie. Einfach so, und nicht plötzlich, wie man sich das vielleicht vorstellt. Die blasse Linie taucht auf und je dunkler sie wird, umso deutlicher spürt Anja, wie sich jede Faser ihres Körpers auf das kleine Wesen in ihrem Bauch auszurichten beginnt. Anja muss lächeln – und dieses Mal lächelt auch ihr Spiegelbild. Und dann, als hätte jemand das Licht ausgeknipst, verschwindet das Lächeln. Was wird Lukas sagen?

Noch nie hat sich Anja so allein gefühlt

„Als ich den positiven Test sah, wusste ich nicht, wie ich es meinem Freund sagen sollte. Ich hatte Angst, dass er komplett ausflippt und die Wohnung demoliert“, schreibt Anja vier Tage später. Wie gut es tut, einmal alles aufzuschreiben! Lukas ist zwar nicht ausgerastet, aber die Stille war noch schlimmer als die Explosion, die Anja erwartet hatte. Mit zusammengepressten Lippen hat er es einfach ausgeschlossen, das Kind zu bekommen. Ihr gemeinsames Baby! Noch nie hat sich Anja so allein gefühlt. Soll sie doch abtreiben? Genau diese Frage hat sie dann einfach bei Google eingetippt und so die Internetseite von Pro Femina entdeckt.

Zügig hat sie sich durch die Homepage geklickt und ihre Situation in einer E-Mail beschrieben: „Ich habe mir immer eine Familie gewünscht. Doch ich möchte nicht das Leben meines Partners zerstören. Kann ich eine Trennung verkraften? Gehe ich den Weg mit Kind oder ohne? Kann die Beziehung eine Abtreibung überstehen?“ Schon am nächsten Tag kam eine Antwort-Mail zurück, ein langes Schreiben von einer Ärztin. Auf jedes Detail in Anjas Test ist Dr. Barbara Dohr eingegangen –  und das so optimistisch. Anja las die E-Mail immer wieder und betrachtete sich dabei durch die fremden Augen, die Anjas Situation viel positiver wahrzunehmen schienen als sie selbst.

„Liebe Frau Dohr, vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit, die Sie sich genommen haben für meine Fragen. Ich hatte dank ihrer
E-Mail gestern ein Lächeln auf dem Gesicht und habe mir Ihre Worte zu Herzen genommen.“ In Ruhe schreibt Anja zurück. Sie will nun alles genau erklären. Nichts könnte ihr momentan besser helfen, als ihre Situation jemandem zu schildern, der wirklich zuhört und trotzdem großen Abstand zu ihrem Leben hat!

Anja fängt von vorne an: Wie ihre Periode schon längst überfällig war und sie es auf den Stress geschoben hatte. Wie in einem dunklen Raum fühlte sie sich gefangen, ohne eine Idee, wie es zwischen Lukas und ihr zu einer Aussprache kommen könne. Anja tippt Zeile um Zeile und beinahe ist es so, als säße Frau Dohr vor ihr:

„Als er zu Hause war, saß ich völlig aufgelöst am Boden mit Tränen und habe ihm den Test hingehalten. Er hat nur meine Hände genommen und nichts gesagt. Ich schaute auf und fand auch keine Worte, nur Tränen liefen weiter über meine Wangen. Wir setzten uns aufs Sofa und er schaute mich an und sagte, ich bin da für dich! Aber nicht bereit für diesen Schritt, nicht bereit, jetzt Vater zu werden. Wieso passiert mir das? Du musst das Kind abtreiben! Wir können doch in zehn Jahren eine Familie gründen, dann habe ich alles erreicht und kann meinem Kind etwas bieten. Ich hielt einfach nur seine Hand.

Ich schluckte und sagte, ich weiß, du hast Angst und das ist für dich der einfachste Weg. Doch ich weiß nicht, was ich machen soll, denn ich wollte immer eine Familie, und nicht erst so spät. Ich habe sicher nicht gewollt, dass es ausgerechnet nach unserer Streitphase soweit ist. Und ich meinte zu ihm: Ich weiß, dass ich zwei Möglichkeiten habe. Ich mach die Abtreibung oder ich behalte das Kind und stehe wahrscheinlich alleine da.“

Vieles spreche gegen ihr Kind, berichtet Anja weiter, aber sie könne sich auch vorstellen, „eine gute Mutter zu werden.“ Doch wie soll sie Geld verdienen, falls Lukas wirklich nicht für sein Kind da sein möchte? Sie wolle ihn zu nichts zwingen. „Ich habe mir in kurzer Zeit viele Gedanken gemacht, wie ich alles packe und ihn trotzdem dabei unterstützen könnte, in vier Jahren das Geschäft seines Chefs zu übernehmen“, schreibt Anja. „Mache ich ihn dann noch glücklich, wenn ich ihn jetzt ins Familienleben dränge? Oder ist sein Leben wirklich vorbei, wie er es mir vorwirft? Was ist mit meinem Leben? Ich muss mich eigentlich auf meine Prüfungen vorbereiten!“

Von wegen freie Entscheidung...

Aufmerksam liest Barbara Dohr Anjas offen erzählte Situation. Aus ihrer Tätigkeit im 1000plus-Beratungszentrum Bayern kennt sie viele ähnliche Fälle. Frauen wie Anja brauchen niemanden, der ihnen sagt: „Es liegt bei dir, entscheide einfach.“ Was sie sich wünschen, ist jemand, der verstehen will, wie es ihnen geht. Jemand, der Ruhe bewahrt und guten Rat geben kann. Einfach jemand, der eine Idee hat, wie es trotz der vielen Wenns gehen könnte. 

Anja würde ihr Baby doch so gerne behalten! Deswegen fließen ja die Tränen. Weil allein der Gedanke an die Abtreibung ihres Kindes sie schon panisch macht. „Sie haben bisher alles richtig gemacht“, schreibt Barbara Dohr. Es sei gut gewesen, schnell ein offenes Gespräch mit Lukas zu suchen. Anjas tiefe Sehnsucht, die sie zu ihrem Kind führen will, braucht Bestätigung und Stärkung:

„Ich finde es gut, dass Sie Ihrem Freund sagen konnten, dass Sie seine Angst verstehen; dass Sie nachvollziehen können, dass es für ihn nach dem leichtesten Weg aussieht, wenn Sie so tun, als ob nie etwas gewesen wäre: Sie spüren, wie falsch das ist. Für ihn wächst diese Erkenntnis langsamer: Man kann eine Schwangerschaft und eine Abtreibung nicht ungeschehen machen. Geben Sie ihm Zeit. Lassen Sie ihn ruhig noch ein paar Wochen mit sich ringen. Seine Frage‚ warum ihm jetzt so etwas passiere, zeigt, dass er schon längst begonnen hat, zu ringen. Auch für ihn ist eine Abtreibung nicht selbstverständlich. Er hat da sehr wohl einen Strahl der Realität abbekommen und gespürt.“

Nun müsse es darum gehen, Lukas’ Ängste zu verstehen, schreibt Barbara Dohr und weist auf die vielen Möglichkeiten hin, mit denen Pro Femina Schwangeren in Not helfen kann. „Vielleicht finden wir gemeinsam Ansatzpunkte, wie Sie diese Angst ein bisschen auffangen oder gar auflösen können?“ Behutsam betont sie noch einmal, dass eine Abtreibung nicht nur das Leben des Kindes betrifft:

„Ich finde es wirklich sehr schön, dass Sie sich fragen, wie Sie ihn glücklich machen können! Eine solche Frage zeigt echte Liebe und den Wunsch nach einer lebendigen und guten Partnerschaft. Ich glaube, eines mit Sicherheit sagen zu können: Sie werden ihn nicht glücklich machen, wenn in Ihnen etwas zerbricht.“

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Nachdenklich schiebt Anja ihr Smartphone in die Tasche. Das Leben würde ihr keine Frage stellen, die sie nicht beantworten könne, hat Frau Dohr noch geschrieben. Und sie hätte die Kraft in sich, um eine mutige Antwort geben zu können. Eine kleine Portion Mut – das wäre was! Und nicht zu viel grübeln, meinte Frau Dohr, sondern auch mal entspannt etwas anderes machen. Ja, das sollte klappen. Grinsend zieht Anja ihr Handy wieder hervor und ruft ihre Freundin an: „Weißt du noch, wie ich neulich mein Bier hab stehen lassen?“ Das wird ein langes Gespräch...

Beinahe wäre sie zu spät zum Frauenarzt gekommen. Anja war so in Eile, dass sie keine Zeit hatte, nervös zu werden. So war sie gar nicht vorbereitet auf das kleine Wesen, das da eingefangen vom Ultraschall auf dem Monitor flackerte. „Hier sehen Sie das Herz schlagen“, sagte die Ärztin. „Es hat sich gut eingenistet und Sie sind in der siebten Woche ...“ Anja hörte nicht mehr, was die Ärztin sagte. Sie starrte auf den Monitor. Ihre Hand tastete nach Lukas. Er wollte unbedingt mit dabei sein, was Anja ziemlich freute. Aber als er sein Kind sah, regte sich in seinem Gesicht nichts und seine Hand behielt er bei sich. „Er hatte seinen Tunnelblick montiert“, beschreibt Anja die Szene später für Barbara Dohr. Nach den Fragen zum Ablauf einer Abtreibung aber verließen Lukas und Anja die Praxis schweigend. Ohne ein Wort zu sagen, stiegen sie ins Auto, und auch während des gemeinsamen Weihnachtseinkaufs hing jeder seinen eigenen Gedanken nach.

Am nächsten Morgen hält Anja das Schweigen nicht mehr aus. Sie klappt ihren Laptop auf und beginnt zu tippen: „Liebe Frau Dohr, vielen Dank, dass Sie mir zurückschreiben. Es tut so gut, Ihre Nachrichten zu erhalten.“ Sie erzählt von dem flackernden Herzschlag ihres Babys, von der netten Ärztin, die Anja ihre Handynummer mitgegeben hat, da sie bei Fragen jederzeit anrufen dürfe, und von Lukas, der zuerst unbedingt mitwollte, dann aber gar nichts mehr gesagt hat. „Man sah in seinen Blicken so viel Traurigkeit und Schmerz und mir zerriss es fast selbst das Herz, ihn so zu sehen.“

Er sei nicht bereit, Vater zu werden, nicht bereit für diese Verantwortung. Er habe nichts erreicht, worauf das Kind stolz sein könne. „Du zerstörst mein Leben und ich kann nicht mal mitentscheiden“, habe Lukas irgendwann gesagt. Verletzende Worte – „aber ich habe versucht, ruhig zu bleiben, ihn in die Arme zu nehmen und ihm meine Ängste und Gedanken mitzuteilen."

Eine Entscheidung für drei Menschen

„Für mich ist es doch auch ein Schock. Ich muss entscheiden über das Wohl von drei Menschen! Wenn ich abtreibe, wäre mein Leben nie mehr das selbe. Soll ich mich einfach ihm zuliebe für eine Abtreibung entscheiden und mich selber unglücklich machen? Soll ich es behalten, mich von ihm trennen? Weil ich keine Unterstützung von ihm möchte, muss ich dann ein neues Leben starten! Oder ich treibe ab und wir bleiben zusammen? Aber wie soll so eine Beziehung danach aussehen? Oder ich behalte es und er hat es in der Hand, ob er da ist und mit mir im Dreierteam das angehen möchte?“

Anjas Gedanken kreisen schnell, und das ist gut, findet Barbara Dohr, denn sie kreisen um eine Lösung. Wie sehr sie sich abhängig mache, wenn sie als Alleinerziehende auf die Unterstützung aus der Familie und von Freunden baue, fragt sich Anja. Als Berufstätige würde sie für ihr Kind kaum da sein können und „die ersten Schritte, die ersten Worte, die ersten Zähne und schöne Momente verpassen.“ Überlegungen, die von einer mütterlichen Perspektive zeugen! Doch Barbara Dohr hat oft genug erlebt, wie schwer der Druck eines verzweifelten Partners wiegt. Gemeinsam müssen sie überlegen, was Lukas helfen könnte. Die meisten Sorgen würden dann verschwinden. Zum Glück hat Anja diese Hoffnung auch:

„Wie schaffe ich es, Lukas aus dem dunklen Loch zu holen und ihm zu zeigen, dass sein Leben nicht vorbei ist? Er denkt, als Mechaniker noch nichts erreicht zu haben. In vier Jahren könnte er eine Filiale übernehmen. Er wäre dann sein eigener Chef. Das wünsche ich ihm von Herzen. Doch er vergisst, dass ich ihn genauso liebe, wie er ist, ohne dass er mir mehr bieten müsste. Ich habe mich ja genau in den Mann verliebt, der mit seinem blauen Anzug abends nach Hause kommt und überall schwarze Striemen im Gesicht hat.“

In den folgenden Tagen schreibt Anja Barbara Dohr täglich. Gemeinsam bereiten sie die Gespräche mit Lukas vor. Trotzdem gerät der so mutig begonnene Perspektivenwechsel ins Stocken. Anja glaubt, ihr Kind würde alle Pläne der wichtigsten Menschen in ihrem Leben durchkreuzen:

„Mein Freund soll sein Geschäft finanzieren und seinen Traum verwirklichen, meine Eltern sollen ihr Leben genießen. Sie sind im besten Alter mit knapp 50. Daher muss ich Ihnen heute gestehen, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich mich richtig entscheiden würde – aus Liebe zu meinem Kind. Vielleicht können wir heute telefonieren?“

Barbara Dohr ruft an

Solche Rückschläge sind ein heikler Moment. Barbara Dohr weiß, dass es nun auf ein besonnenes Gespräch ankommt. Anjas größte Panik ist es, ihr Kind zu verlieren. Doch präsenter sind die vielen kleinen Gründe, die gegen das Kind sprechen. Manche Schwangere kreisen um die Probleme an der Oberfläche, anstatt zu erkennen, dass sie die ganze Zeit über furchtbare Angst um ihr Baby haben. Erst wenn es zu spät ist, merken sie, dass es nicht die gegen das Kind gerichteten Gründe waren, die ihr Herz in Panik versetzt haben. Dann sehen sie auf einmal klar, was wirklich das Wichtigste für sie gewesen wäre. Das soll Anja nicht passieren! Mit einem Zettel voller Notizen vor sich greift Barbara Dohr zum Hörer.

Sofort bricht sich die aufgestaute Angst Bahn. Anja weint – und sie erzählt, dass Lukas auf einen Termin zur Abtreibung dränge. Alles andere wäre unreif. Geplagt von Sorge und Schuldgefühlen habe er sie ins Thermalbad eingeladen. In drei Monaten wolle er nach Teneriffa. Eine Überraschung. Alles sei gebucht.

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Einfühlsam begleitet Barbara Dohr Anjas aufgeregten Bericht mit kleinen Zwischenfragen. Der Urlaub sei eine liebe Idee – ja, auch schwanger könne man eine Flugreise antreten! Unreife könne sie Anja nicht attestieren, ganz im Gegenteil. Sie verspricht Anja, in allen Fragen rund um Mutterschutz, Kindergeld, Elterngeld und Elternzeit zu helfen. Und sie gibt ihr Tipps, wie sie ihre Eltern auf die Ankunft eines Enkels vorbereiten kann. Am Wichtigsten: Barbara Dohr und Anja wollen nun öfter telefonieren. Solange Lukas sich quer stellt, will sie das emotionale Gegenwicht sein. Sie will Zeit gewinnen für Anja und ihre täglich wachsende Liebe zum Kind bestärken.

Immer wieder ist Barbara Dohr der Fels, wenn eine neue Panikwelle anbrandet. Und sie ist die erste, die davon erfährt, dass sich in Lukas’ Ringkampf mit sich selbst ein Sieger abzeichnet. Nein, ein deutlicher Sieg sogar:

Anja kann nicht aufhören, zu weinen

Eines Abends sei er nach Hause gekommen mit zwei, drei Bier zu viel intus, berichtet Anja, und einem nassen Schimmer in den Augen, der aber nicht vom Bier herrührte. Dann habe er sie in den Arm genommen und eine ganze Weile nicht mehr losgelassen. Als er schließlich aus seiner blauen Latzhose einen winzigen Babystrampler hervorholte, sei sie in Tränen ausgebrochen und hätte sich ewig nicht beruhigen können. Wie viel man auf einmal weinen muss, obwohl man doch so unwahrscheinlich glücklich ist...

Anja und Barbara Dohr bleiben auch dann noch in Kontakt, als Lukas schließlich seine Kurzschlussreaktion als solche erkannt hat und nun von einer Abtreibung nichts mehr wissen will. Weil er sich ja die ganze Zeit mit seinem Kind habe auseinandersetzen müssen, sei es ihm irgendwie ans Herz gewachsen, meint er einmal augenzwinkernd.

Und als hätte jemand das Licht wieder angeknipst, kehrt mit der Entscheidung für das gemeinsame Baby das Lächeln zurück. Auf einmal fügt sich vieles von dem, was vorher wie ein unbezwingbares Problem erschien. Anja weiß, wem sie das unbedingt erzählen muss:

Liebe Frau Dohr, ich habe mich wieder so gefreut über Ihre Nachricht!

Wir waren ja zehn Tage in Teneriffa und haben die Zeit einfach genossen und die Wärme tat uns gut und wir sind vollkommen tiefenentspannt zurückgekehrt. Nun geht es weiter mit dem Aufräumen und Einrichten zu Hause, damit wir dann für August bereit sind. 

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Ihnen bedanken, dass Sie für mich da waren in dieser schweren Zeit. Sie haben mir gezeigt, dass es immer einen Weg gibt und dass man nicht aufgeben sollte. Diese Erfahrung trage ich mit mir und ich freue mich darauf, durchs Leben zu gehen als Familie zu dritt. Wir können jede Hürde packen und gemeinsam meistern. Danke, dass Sie immer an mich geglaubt haben und mich in meinem Willen unterstützt haben! DANKE! Ich habe mir selbst sehr viel Druck gemacht und nun gemerkt, dass manchmal ein Schritt weniger nicht schlimm ist. Ich kann meinen Job behalten und der Chef freut sich über jedes Kind in der Firma. Die Bachelor-Prüfung trete ich nächstes Jahr an, ich kann nicht alles auf einmal bewältigen! Ich merke nun, wo meine Grenzen sind und was mir wirklich wichtig ist. Nach diesen schweren und dunklen Wochen sehe ich nun so viel Lachen und Freude. Ich habe sogar mein Gleichgewicht mit Lukas gefunden und wir genießen die gemeinsame Zeit, die wir noch zu zweit haben, in vollen Zügen. 

Ich werde Ihnen dann ein Foto zukommen lassen von der kleinen Prinzessin. Das mache ich sehr sehr gerne! Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Liebe!

Herzliche Grüße, Anja

*Alle Angaben wurden zum Schutz der Personen anonymisiert.

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