Kristijan Aufiero geht zum Marsch für das Leben

Warum ich am Samstag beim 1. Münchner Marsch fürs Leben dabei bin

Der Marsch für das Leben in München 2021
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Im letzten Jahr habe ich deutlich gemacht, dass sich 1000plus nicht an dem Marsch beteiligen wird. Ich habe meine Meinung geändert.

Liebe Freunde und Unterstützer von 1000plus,

am kommenden Samstag, den 20. März 2021, also übermorgen, findet der 1. Münchner Marsch fürs Leben statt. Der Marsch wird von dem Verein „Stimme der Stillen e.V.“ organisiert. Ich kenne die Hauptverantwortlichen des Vereins gut und schätze sie auch persönlich sehr.

Trotzdem habe ich im Rahmen einer persönlichen Begegnung im letzten Jahr, als ich das erste Mal von den Plänen für den Marsch hörte, zwar mein uneingeschränktes Wohlwollen signalisiert, aber auch deutlich gemacht, dass sich 1000plus und Pro Femina nicht an dem Marsch beteiligen werden.

Ich habe meine Meinung geändert und möchte Ihnen gerne die Gründe für diesen Sinneswandel erläutern:

 

Beratung & Hilfe statt Politik

Von Anfang an gehörte die strikte politische Enthaltung zu den Grundpfeilern des Selbstverständnisses von Pro Femina und 1000plus. Es war uns wichtig, uns als unideologische, unpolitische und rein caritative Hilfsorganisation zu definieren und zu agieren.

Das Fundament all unseres Tuns war und ist unser christlicher Glaube und die daraus resultierende Überzeugung, dass wir Frauen im Schwangerschaftskonflikt zu allererst eines schuldig sind: Nächstenliebe. Und zwar ohne Bedingungen und ohne Verurteilung.

Deshalb wollten wir 1000plus aus allem Politischen heraushalten: Keine Demonstrationen, keine politischen Forderungen, keine Wahlaufrufe, keine politische Lobbyarbeit, kein Marsch für das Leben.

Natürlich haben wir geglaubt, dass – wenn wir uns von der Politik fernhalten und uns in keine politischen Streitereien einmischen – wir auch umgekehrt unserer Arbeit in Ruhe nachgehen können. Jedenfalls, solange wir uns nichts zuschulden kommen lassen würden.

Wir haben schmerzhaft erfahren und lernen müssen: So einfach ist es nicht.

Selbst wenn man nur Gutes im Sinn hat und auch aus der Perspektive der von uns beratenen Frauen und Familien nur Gutes und Richtiges tut, gibt es politische Ideologen, die sich genau daran und gerade deshalb stoßen.

Dass jene, die sich für die totale Freigabe der Abtreibung einsetzen, zugleich tatsächlich auch fordern, Beratungs- und Hilfsangebote wie das Unsrige zu verbieten – das war zur Zeit der Gründung von 1000plus für mich schlicht unvorstellbar.
 

„Schöne neue Welt“[1]? Nein danke!

Aber die Erfahrungen der letzten Zeit haben uns gelehrt: Allein die Existenz eines Pro-Life-Beratungsangebots wie das von Pro Femina, und noch mehr die unbestreitbare Tatsache, dass 99 Prozent der von uns beratenen Frauen dankbar und glücklich sind, ist eine unerträgliche Infragestellung derjenigen, für die nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf.

Die Realität unserer Arbeit ist all jenen ein Dorn im Auge, die auf der Basis einer diffusen Ideologie die Natur der menschlichen Existenz ignorieren und den intoleranten Verirrungen unserer Zeit anhängen.

Wir haben in aller Klarheit begriffen: Den Aktivisten, Journalisten und Politikern, die Pro Femina attackieren, geht es eigentlich nicht um unsere Beratung und auch nicht um die Rechte oder den Schutz von Frauen im Schwangerschaftskonflikt.

Wir sind nur ein Schauplatz von vielen im Kampf zur Durchsetzung einer selbstgerechten Ideologie und dem Versuch der radikalen Neugestaltung unserer Gesellschaft. Es geht darum, dass eine Minderheit allen anderen Menschen vorschreiben möchte, wie sie zu leben haben.
 

Worum es 1000plus geht

„Mein Freund und ich sind seit 5 Jahren zusammen. Er ist 26 und ich 24. Wir sind beide noch im Studium (er Medizin und ich Mathe auf Lehramt). Er fühlt sich komplett überfordert und ist sich sicher, dieses Jahr nicht Vater werden zu wollen, weil er Job, Kind und Frau nicht gerecht werden würde. Ich glaube wir würden das schaffen, auch wenn ich mit Kind Examen schreiben müsste. Aber ich möchte nichts weniger als ihn zu verletzen. Allerdings habe ich das Gefühl unsere Beziehung endet jetzt sowieso, weil entweder ihm ein Kind zu viel ist oder mir der Abbruch. Alleine kann und möchte ich aber auch kein Kind großziehen. Catharina*“

Das ist ein Ausschnitt einer E-Mail, die uns heute Vormittag um 11.19 Uhr erreicht hat. Es sind die Zeilen einer von derzeit rund 2.500 Frauen, die wir Monat für Monat beraten.

Bei 1000plus und Pro Femina wollen wir nichts anderes, als Frauen wie Catharina beraten und uns an ihre Seite stellen. Wir wollen ihr sagen, dass wir auch glauben, dass sie es „schaffen“ kann. Und wir wollen sie dabei unterstützen! Wir wollen mit ihr Wege suchen und finden, wie sie ihrem Freund verständlich machen kann, dass ihre Liebe diesen „Abbruch“ nicht übersteht. Wir wollen den beiden dabei helfen, die Aufgabe gemeinsam zu meistern, vor die das Leben sie gestellt hat. Wir wünschen uns, dass dieses junge Paar eine Zukunft hat. Dass das ungeborene Baby unter Catharinas Herzen nicht geopfert werden muss. Dass die beiden eine echte Chance bekommen, eine kleine wunderbare Familie zu werden.

Liebe Freunde und Unterstützer von 1000plus,damit Pro Femina genau das hoffentlich noch ganz lange wird tun können und dürfen, gehe ich am Samstag auf den 1. Münchner Marsch fürs Leben! Vielleicht sehen wir uns ja?!

Herzlichst

kja

Ihr

kja

Kristijan Aufiero | Vorsitzender des Vorstands

PS: Hier gehts zu allen Infos zum 1. Münchner Marsch fürs Leben: HIER KLICKEN

*Alle Namen und persönlichen Angaben wurden – wie immer – zum Schutz der betreffenden Personen anonymisiert.

Fußnoten

[1]Ich meine an dieser Stelle den dystopischen Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_neue_Welt

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