Vorbilder der Hoffnung

Warum Wilberforce für die 1000plus-Petition kämpfen würde

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 Wilberforce-Bild: John Rising, Public domain, via Wikimedia Commons

William Wilberforce ist heute kaum noch bekannt. Das ist angesichts seines großartigen Wirkens schwer verständlich; aber man kann auch analog zu einem bekannten Sinnspruch sagen, dass man manche große Männer erst dann recht lobt, wenn man über ihre Taten ihr Lob vergisst.

Wilberforce wurde 1759 in England geboren und kämpfte als Parlamentarier aus christlicher Überzeugung für die Abschaffung der Sklaverei. Wenn er heute leben würde, würde er sich wohl für die 1000plus-Petition einsetzen, weil Abtreibung bis zur Geburt das himmelschreiende Unrecht unserer Tage ist. 

Die Erfolgsaussichten waren für Wilberforce damals nicht gut. Ihm war trotzdem klar, dass er etwas tun musste: „Mir erschien die Verderbtheit des Sklavenhandels so enorm, so furchtbar und nicht wiedergutzumachen, dass ich mich uneingeschränkt für die Abschaffung entschieden habe. Mögen die Konsequenzen sein, wie sie wollen, ich habe für mich beschlossen, dass ich keine Ruhe geben werde, bis ich die Abschaffung des Sklavenhandels durchgesetzt habe.“1

Das Leben von Wilberforce begann ganz anders. Er war Partner in einem Geschäft, das Rohzucker von Sklaven-Plantagen zu den westindischen Inseln importierte. 1784/1785 änderte sich dann alles. Er bekehrte sich zum evangelikalen Christentum und stellte sein komplettes bisheriges Leben in Frage. Wenige Jahre zuvor bekehrte sich bereits John Newton, der Schöpfer von "Amazing Grace" und ehemalige Kapitän auf Sklavenschiffen. Jetzt setzten sich beide zusammen für die Abschaffung der Sklaverei ein.

Auf Wilberforce trifft Tolkiens Aussage im ersten Teil unserer neuen Serie zu: "Dies ist die Stunde des Auenlandvolkes, in der es sich aus seinen stillen Auen erhebt, um die Türme und Pläne der Mächtigen zu erschüttern.“ Denn auch Wilberforce war kein Großer, eher ein Hobbit als ein Herr. Er war klein, kränklich und hatte so schlimme Augenprobleme, dass er oft nicht lesen konnte. Auch kam er oft zu spät und war desorganisiert.

Aber was zählt das alles, wenn man Gott auf seiner Seite hat? Das Magnificat lehrt uns: "Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen" (Lk 1, 52).

Wilberforce setzte seine ganze Kraft ein, um sich im Parlament für die Abschaffung der Sklaverei stark zu machen. Er wusste nicht, ob er die Abschaffung der Sklaverei noch erleben würde, aber er wusste, dass Gott ihn berufen hatte, dafür zu kämpfen. Deshalb gab er niemals auf. Der kleine Engländer starb 1833 und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens zurückgezogen in Krankheit. Erst drei Tage vor seinem Tod wurde die Sklaverei in Großbritannien abgeschafft. Den größten Sieg erlebte er nicht mehr: die Abschaffung der Sklaverei in den USA 1865. 

Wilberforce hat nie die Hoffnung aufgegeben – egal, wie schwer und aussichtslos es schien. Genau das sollten wir auch tun: Nie die Hoffnung aufgeben und uns mit aller Kraft für das Gute einsetzen, denn irgendwann wird das Gute siegen. Wie großartig wird es dann sein, wenn wir in der Rückschau, sei es im Himmel oder auf Erden, sehen, dass wir einen Anteil daran hatten!

Petition "Keine Abtreibung bis zur Geburt"

Fußnoten

1 Werth, Jürgen, Einfach Lesens Werth. Mutmachendes aus drei Jahrzehnten, Witten 2014.

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