Vorbilder der Hoffnung

Wie Johannes Paul II. die 1000plus-Petition inspiriert

Johannes Paul II. (1988)
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 L'Osservatore Romano, Public domain, via Wikimedia Commons

Johannes Paul II. wird oft als "Jahrhundertpapst"1 tituliert. Ein Grund dafür ist, dass er uns allen Hoffnung gegeben hat. Niemand, der ihm begegnete, ging betrübt weg. Im Gegenteil: Das Charisma des Heiligen waren seine Menschlichkeit und sein Gottvertrauen. Sie steckten alle an, die ihn trafen. Und er war der Papst, der sich wie kein Zweiter für das Leben und die Familie einsetzte. Im Aufbau einer "Kultur des Lebens" sah er ein besonderes "Zeichen der Hoffnung", das wahr werde, wenn Wahrheit, Freiheit und Liebe eine Einheit bildeten.2 

Karol Wojtyla wurde 1920 in Wadowice geboren. Die Berufung zum Priester sah zuerst nicht er, sondern sein Erzbischof. Adam Stefan Sapieha, der Erzbischof von Krakrau war beeindruckt von einer Rede, die Wojtyla als Gymnasiast hielt und fragte seinen Religionslehrer nach dem Studienwunsch. "Polnische Philologie" war die Antwort. "Schade, dass es nicht Theologie ist", sagte der Erzbischof. Das war kein endgültiger Korb. Es war einfach noch zu früh.3

Im Herbst 1942 war die Zeit gekommen. Jetzt wollte Wojtyla Priester werden und klopfte beim Erzbischof an die Tür. Alles musste streng geheim bleiben. Tagsüber arbeitete Wojtyla als Zwangsarbeiter in einem Steinbruch. Wenn es irgendwie möglich war, ging er ins Untergrundseminar des Bischofs. Ein Jahr zuvor war Wojtylas Vater gestorben, seine Mutter starb bereits, als er nur 8 Jahre war, seine Schwester schon vor seiner Geburt und sein älterer Bruder 1932. Wojtyla hatte jetzt keine Familie mehr, und sah jeden Tag wie Priester und Juden ins KZ kamen und umgebracht wurden.

War er auch kurz davor, ins KZ deportiert zu werden? Was würde geschehen, wenn die Nazis herausbekämen, dass er Seminarist war? Wie schafft man es, zu überleben, wenn man ständig fürchten muss, gefangen genommen und umgebracht zu werden?

Als die Nazis Priester der Pfarrei verhaften, wurde jemand sehr wichtig im Leben Wojtylas: der Schneider Johannes Tyranowski. Er arbeitete mehr an der Vervollkommnung der Seele als mit Nadel und Faden und führte den späteren Papst in die Mystik des hl. Johannes vom Kreuz ein. Dieser Heilige war durch seine eigene Biographie wie geschaffen für diese dunkle Zeit. Der Karmeliter wurde von seinen Mitbrüdern entführt, ins Ordensgefängnis geworfen und misshandelt. In dieser Dunkelheit entstanden mystische Dichtungen, die wohl auch Wojtyla Trost gaben. Sie sprechen von der Nähe Gottes in tiefster Finsternis: „In der Nacht, glücklich, / insgeheim, daß niemand mich sah / und ich auf nichts schaute, / ohn’ anderes Licht und Führen, / als das im Herzen brannte.“4

1946 wurde Karol Wojtyla von Erzbischof Sapieha im Geheimen zum Priester geweiht, 1958 wurde er Bischof und 1978 Papst. Unvergessen ist seine Ansprache auf der Benediktionsloggia nach dem "Habemus papam": "Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!"5. Das waren nicht nur fromme Worte in einer bipolaren Welt, daran offenbarte sich das tiefe Vertrauen, dass Gott alles zum Guten wenden kann. 

Johannes Paul II. glaubte an Gott – und an das Gute im Menschen. Deshalb galt er für viele Beobachter als "christlicher Humanist", für den "Theologie und Anthropologie eins sind".6 Johannes Paul II. glaubte an die Freiheit des Menschen und an den Zusammenhang von Freiheit und Wahrheit. Vieles von seiner Theologie und Anthropologie ist grundgelegt in der Enzyklika "Evangelium vitae". Er schreibt: "Nicht minder entscheidend bei der Gewissensbildung ist die Wiederentdeckung des Zusammenhanges, der zwischen Freiheit und Wahrheit besteht. Wie ich wiederholt hervorgehoben habe, macht es die Entwurzelung der Freiheit von der objektiven Wahrheit unmöglich, die Rechte der Person auf einer festen rationalen Basis zu begründen, und schafft die Vorbedingungen dafür, daß sich in der Gesellschaft die unlenkbare Willkür einzelner oder der beschämende Totalitarismus der staatlichen Macht durchsetzen."7

Wo erleben wir das gerade nicht stärker als im Versuch, Abtreibung bis zur Geburt zu erlauben? In den Worten des Papstes ist ein solcher Versuch ein klares Merkmal einer "Kultur des Todes", und einer Perversion von Freiheit, ja ihr Tod: "Das Recht auf Abtreibung, Kindestötung und Euthanasie zu fordern und es gesetzlich anzuerkennen, heißt, der menschlichen Freiheit eine perverse, abscheuliche Bedeutung zuzuschreiben: nämlich die einer absoluten Macht über die anderen und gegen die anderen. Aber das ist der Tod der wahren Freiheit." 

Johannes Paul ermutigt uns, stattdessen die "Kultur des Lebens aufzubauen". Das Schöne daran ist, dass wir diese Kultur nicht "erfinden" müssen. Es ist kein "ausgedachtes Konzept", sondern Ausdruck der Wahrheit über die menschliche Person.

So schreibt der Papst: "Wie der Psalmist, so loben und preisen auch wir im persönlichen und gemeinschaftlichen täglichen Gebet Gott, unseren Vater, der uns im Mutterschoß gewoben und uns gesehen und geliebt hat, als wir noch ohne Gestalt waren (vgl. Ps 139 3, 13. 15-16), und mit unbezähmbarer Freude rufen wir aus: »Ich danke dir, daß du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke« (Ps 139 4, 14). Ja, »dieses sterbliche Leben ist trotz seiner Mühen, seiner dunklen Geheimnisse, seiner Leiden, seiner unabwendbaren Hinfälligkeit eine sehr schöne Sache, ein immer originelles und ergreifendes Wunder, ein Ereignis, würdig mit Freude und Lobpreis besungen zu werden«. Mehr noch, der Mensch und sein Leben erscheinen uns nicht nur als eines der größten Wunderwerke der Schöpfung: Gott hat dem Menschen eine beinahe göttliche Würde verliehen (vgl. Ps 8, 6-7). In jedem Kind, das geboren wird, und in jedem Menschen, der lebt oder der stirbt, erkennen wir das Abbild der Herrlichkeit Gottes: diese Herrlichkeit feiern wir in jedem Menschen, der Zeichen des lebendigen Gottes, Ikone Jesu Christi ist.“

Unsere Petition "Keine Abtreibung bis zur Geburt" ist ein klares Bekenntnis zur Kultur des Lebens, zur Freiheit und zur Wahrheit. Daher ist jede Unterschrift ein Ja zum Menschen und ein Zeichen der Hoffnung. 

Petition "Keine Abtreibung bis zur Geburt"

Fußnoten

1 Roß, Jan, Johannes Paul II. Der Jahrhundertpapst, Hamburg 2005. 

Johannes Paul II., Enzyklika "Evangelium vitae" vom 25. März 1995, online auf: https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/encyclicals/documents/hf…

Roß, Johannes Paul II., S. 29. 

Johannes vom Kreuz, Die dunkle Nacht. Vollständige Neuübersetzung, Freiburg i.B., 8. Auflage 1995, S. 27. 

5 Johannes Paul II.., Ansprache am Beginn des Pontifikats am 22. Oktober 1978, online auf: https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/homilies/1978/documents/…

Roß, Johannes Paul II., S. 89.

Alle weiteren Zitate siehe Fußnote 2: https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/encyclicals/documents/hf…

 

 

 

 

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