Andorra will Abtreibungen de facto legalisieren

Geplante Lockerung des Abtreibungsgesetzes

03.09.2026

Emmanuel Macron bei seinemen Staatsbesuch in Andorra
Der Staatspräsident der Französischen Republik und zugleich Kofürst des Fürstentums Andorra, Emmanuel Macron, bei seinem Besuch in Andorra im April 2026. Copyright by © IMAGO / ABACAPRESS © IMAGO / ABACAPRESS

Andorras Regierung will noch im September einen Vorschlag zur  so genannten „Entkriminalisierung“ von Schwangerschaftsabbrüchen vorlegen, was einer  de facto Legalisierung gleichkommt. Es handelt sich um eine de facto Legalisierung, weil Frauen den Eingriff künftig straffrei im Ausland vornehmen lassen können, während Abtreibungen in Andorra selbst verboten bleiben.

Die Änderung stand bereits seit Langem im Raum. Zuletzt erhöhte der französische Präsident Emmanuel Macron, der zugleich Kofürst von Andorra ist, bei seinem Staatsbesuch im April 2026 den Druck mit der Äußerung: „Ich hoffe, dass diese Debatte vorankommt!“

Regierungschef Xavier Espot besteht darauf, zwischen „entkriminalisieren“ und legalisieren zu unterscheiden: Abtreibungen würden weiterhin nicht auf andorranischem Territorium durchgeführt werden können, und die CASS – die Sozialversicherung des Fürstentums – werde Abtreibungen im Ausland nicht finanzieren. Die Reform beschränke sich, so heißt es, darauf, die strafrechtlichen Folgen für Frauen, die abtreiben, aufzuheben, wie InfoVaticana berichtet.

Dennoch ist die geplante Änderung von dramatischer Tragweite: Andorras Verfassung betont den Schutz des Lebens „in seinen verschiedenen Phasen“; zugleich ist der katholische Bischof von Urgell eines der beiden Staatsoberhäupter.

Damit geht es um mehr als eine strafrechtliche Anpassung. Kritiker warnen, dass die „Entkriminalisierung“ den Einstieg in eine weitergehende Liberalisierung darstellen und den bislang verfassungsrechtlich betonten Schutz ungeborenen Lebens schrittweise abschwächen könnte.

So positionierte sich beispielsweise die Präsidentin der Liberalen Andorras, Cristina Rico, in einem Interview klar gegen Abtreibung und bezeichnete sich selbst als „pro vida“. 

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