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Liebe Beterin, lieber Beter, 

viele Dinge sind anders, als sie scheinen – und haben einen verborgenen Sinn, der erst mit der Zeit so wirklich klar wird. Manche Dinge scheinen auf den ersten Blick nicht zu passen, und formen dann doch ein Mosaik, das uns staunen lässt. Gerade in unserem Glauben gibt es diese Momente des Staunens immer wieder.

Was ist das für ein Gott, der als Kind auf die Welt kommt – als ein schwacher, hilfloser Mensch? Nicht auf einem Thron, sondern in einer Krippe – nicht mit einem Königsmantel bekleidet, sondern nackt und in Windeln gewickelt. Vielleicht haben wir uns schon zu sehr an diese Tatsachen gewöhnt – denn eigentlich sind sie unbegreiflich. Wie ist das möglich?

Oder: Jesus Christus erlöst die ganze Welt und schenkt den Menschen das ewige Leben – und das gerade, weil er gestorben ist. Diese scheinbaren Paradoxien machen unseren Glauben aus: „Er ist begraben und wieder auferstanden – das ist ganz sicher, weil es unmöglich ist“, schreibt der christliche Theologe Tertullian.

Eine ähnliche „Paradoxie“ zeigt sich in der Pro Femina-Beratung. Die Frauen, die sich in ihrer Not an unsere Beratung wenden, sind in der vielleicht schlimmsten Krise ihres Lebens. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass wir gerade von ihnen, die jetzt so unglücklich sind, lernen können, was ein glückliches, ein gelungenes Leben ist.

In diesem Zusammenhang muss ich an ein Zitat des Wiener Psychiaters Viktor Frankl denken, der mit seiner Logotherapie die Pro Femina-Beratung prägt: „Ganz Mensch ist der Mensch eigentlich nur dort, wo er ganz aufgeht in einer Sache, ganz hingegeben ist an eine andere Person. Und ganz selbst wird er, wo er sich selbst übersieht und vergisst.” Liegt der Weg zu einem gelungenen Leben für mich vielleicht nicht in der Frage „Was kann ich bekommen und erwarten, was steht mir zu?“ Sondern in der Frage: „Was kann ich geben, wo kann ich schenken?“

Diese Erkenntnis macht frei – und sie ist eine zutiefst christliche. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13) gibt Jesus Christus seinen Jüngern als Weisung. Wer würde diese Maxime eher „leben“ als diese Mütter in Not. Sie nehmen die Aufgabe an, sie nehmen ihr Kind an, sie lieben es, obwohl die Situation gerade so schwierig ist. Sie schauen nicht auf sich, sondern auf das Leben der Anderen. Sie zeigen uns, was es heißt, ein Mensch zu sein – weil sie nicht um das „Ich“ kreisen, sondern das  „Du“ finden.

Aber diese Liebe, die gibt, anstatt zu fordern – wo kommt sie her? Es ist Ihre Liebe, liebe Beter und Unterstützer, die die Liebe der Schwangeren zu ihren Kindern erst möglich macht. Sie sehen das Leid dieser Frauen und es ist Ihnen nicht gleichgültig. Sie geben das, was sie haben –  Ihre Gebete, Ihre Hilfe, Ihre finanzielle Unterstützung – damit diese Frauen es schaffen, sich für ihre Babys entscheiden zu können. Dafür danke ich Ihnen von Herzen. Weil es Sie gibt und weil Sie geben, nur deswegen gibt es diese tausenden Entscheidungen für das Leben. Vielen Dank, dass Sie da sind!

Vielen Dank, dass Sie für Julia gebetet haben. Sie hat sich endgültig für ihr Kind entschieden, obwohl ihr Umfeld noch lange Druck in die andere Richtung ausgeübt hat.

Der Kontakt zu Jolanda ist leider abgebrochen.

Arabella hat eine Fehlgeburt erlitten; sie ist sehr traurig darüber, weil sie dieses Kind immer mehr annehmen konnte.

Saras Herz beginnt, immer stärker für ihr Kind zu schlagen. Ihre schwierige Situation macht ihr aber weiter zu schaffen. Darf ich Sie um Ihr Gebet für Sara bitten?

Justine hat sich Gott sei Dank für ihr Kind entschieden.

Herzliche Grüße aus München und fest im Gebet verbunden

Ihr

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Dr. Markus Arnold